Das war mein Salzburg-Marathon 2018

Wie schon in meinem letzten Blog-Eintrag erwähnt, war der Höhepunkt meines Frühlings-Trainingszyklus der Salzburg-Marathon, der am letzten Sonntag stattfand. Deshalb möchte ich euch dieses Mal davon berichten, wie es mir in den letzten Tagen vor dem Marathon ergangen ist und wie ich den Marathon selbst erlebt habe.

Die letzten zwei Wochen vor dem Marathon stehen, wie manche von euch vielleicht bereits wissen, ganz im Zeichen des sogenannten Taperings. Das Marathontraining hatte ich davor schon abgeschlossen und nun ging es insbesondere darum, das Training etwas zurückzuschrauben und meinen Körper und mich zu schonen. Dazu gehört auch, Stress möglichst zu vermeiden, doch wer kennt das nicht – viel in der Arbeit zu erledigen, dann möchte man es noch in den Yoga-Kurs schaffen, der Besuch bei der Familie steht auch an … Prioritäten zu setzen, ist mir wichtig, gerade vor so einem wichtigen Termin wie meinem Saisonziel. Also habe ich geschaut, wo es tatsächlich einen fixen Termin gibt, und alles andere habe ich ein wenig lockerer gehandhabt und notfalls verschoben. Das Wichtigste war mir, dass ich nicht beim Schlaf spare, und jede Nacht ca 7–8 Stunden schlafe. Das habe ich dieses Mal auch richtig gut hinbekommen.

In den Tagen unmittelbar vor dem Wettkampf kam dann noch ein wichtiger Punkt hinzu, nämlich das Essverhalten. Ich ernähre mich sehr bewusst und zähle auch meine Kalorien, um nicht zu viel, aber auch insbesondere, um nicht zu wenig essen (ja, das kann bei so hohen Trainingsumfängen wie im Marathontraining und bei hoher Alltagsaktivität leicht passieren!). Unmittelbar vor dem Salzburg Marathon lag mein Fokus ganz klar auf: viele Kalorien und viele Kohlenhydrate. Das ist superwichtig, denn während des Marathons braucht der Körper richtig viel Energie als Kraftstoff für die Muskeln – dazu brauche ich richtig vollgefüllte Glykogenspeicher, deshalb die vielen Carbs. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass es mir nicht richtig Spaß gemacht hätte: Über das ganze Wochenende gab es zB Curry mit Reis, Pizza, Semmeln, Jourgebäck, Rohkosttorte mit Datteln und Agavensirup und Apfel-Streuselkuchen. Und ich mittendrin und habe es einfach genossen, denn ich wusste, das wird am Sonntag alles verbrannt. 😊 Diese Einstellung war, wie ihr gleich noch lesen werdet, Gold wert.

Ich bin am Freitag nach der Arbeit nach Salzburg gefahren und nach dem Abendessen ging es zeitig ins Bett, damit ich ausgeruht zu meinem Aktivierungslauf am Samstagmorgen starten konnte. Dazu lief ich entlang der Salzach auf schön ausgebauten Fußwegen und genoss dabei den traumhaft schönen Ausblick auf die Festung Hohensalzburg und die umliegenden Berge. Danach ging es auf die Marathonmesse zur Startnummernabholung. Weil der Salzburg Marathon vergleichsweise ein kleiner Bewerb ist, hatte ich meine Nummer rasch und so nahm ich mir noch die Zeit, bei dem einen oder anderen Stand stehen zu bleiben und mit den Ausstellern zu fachsimpeln. Was ich richtig cool fand: Die Organisatoren habe auf einer Wand alle Teilnehmer alphabetisch abgedruckt und ausgestellt – da hab ich mich dann schon wie etwas Besonderes gefühlt. Natürlich habe ich dort gleich ein Foto gemacht.

In diesem Moment stieg die Vorfreude noch mal so richtig an, die echte Anspannung kam erst direkt vor dem Start, als der Moderator mit dem Countdown begann. Zuvor lief ich mich noch mal locker für 15 Minuten warm und ich hab gemerkt, dass ich doch etwas verschlafen war. Mein Wecker hat nicht geklingelt und mein Freund hat mich geweckt – obwohl ich zuvor schon immer wieder wach war, hat es mich in dem Moment richtig aus dem Schlaf gerissen. Ich hatte dann noch einen großen Cappuccino vor dem Start, doch war ich mir nicht sicher, wie wohl ich mich während des Marathons fühlen sollte. Aber mein Gedanke war dann einfach: Ich habe nun wochen- und monatelang bei jedem Wetter trainiert und keine Einheit ausfallen lassen, also beweise ich jetzt auch, was ich kann.

Mein Ziel für den Salzburg Marathon waren 3:30 und wie es der Zufall wollte, gab es auch einen erfahrenen Pacemaker, der diese Zielzeit lief. Ich habe mich dann relativ rasch entschlossen, mich diesem Pacemaker anzuschließen, um einfach nur „nachlaufen“ und nicht selbst permanent auf die Zielzeit achten zu müssen. „Mein“ Pacemaker sagte mir dann vor dem Start, dass er plant, die erste Hälfte rascher zu laufen (Durchgangszeit beim Halbmarathon bei ca. 1:42), weil nach seiner Erfahrung seine Schützlinge hinten raus langsamer werden und er sonst alleine ins Ziel kommen würde. Und am Anfang hatten wir auch schnelle Km-Zeiten zwischen 4:40 und 4:50 min/km. Da kamen mir dann doch Zweifel auf: Kann ich das Tempo dauerhaft mitgehen? Würde ich es vielleicht noch bereuen? Doch mir ging es richtig gut damit und ich habe dann einfach auf meinen Pacemaker vertraut.

So viel sei gesagt: Seine Taktik ging, jedenfalls für mich, voll auf. Ich kann sehr solide durch die erste Hälfte und merkte, wie es immer lockerer und „selbstverständlicher“ lief. Als er dann dazu überging, das Tempo rauszunehmen und unseren Vorsprung „zu verwalten“, wurde es mir doch irgendwann tatsächlich zu langsam. Zuerst traute ich meinem Bauchgefühl noch nicht so ganz und blieb noch ein wenig bei der Gruppe, doch nach über 30 km wusste ich, dass ich eine Temposteigerung definitiv zu Ende laufen könnte, und beschleunigte ab km 34 noch mal auf km-Zeiten deutlich unter 5:00 min/km. Ich hatte sogar noch solche Reserven, dass ich den letzten km in 4:31 durchgelaufen bin und auf der letzten Gerade zum Sprint ansetzen konnte, sodass ich eine Frau direkt vor mir noch vor dem Ziel abgefangen habe.

Das Gefühl danach war einfach unbeschreiblich: Es war vom Anfang bis zum Ende ein rundum gelungenes Rennen. Und tatsächlich stand dann nicht „einfach“ die 3:30, sondern ich lief den Marathon in 3:27:19. In der allgemeinen Klasse war ich damit die siebtschnellste Frau. Das Ergebnis habe ich dann erst mal auf mich wirken lassen müssen, denn ich habe es ziemlich lange nicht glauben können. Logisch, dass es danach erst mal richtig gutes Essen zur Belohnung gab: Nudeln aglio e olio und natürlich ein großes Stück Kuchen mit Schlagobers.

Dieses Ergebnis habe zwar ich „erlaufen“, doch wäre das ohne die perfekte Betreuung vorab durch Lissi nicht möglich gewesen. Wenn ich sehe, was ich in den letzten Wochen geschafft habe, dann weiß ich, dass ich das Resultat ohne einen durchdachten und optimal auf mich abgestimmten Trainingsplan nicht erreicht hätte.

In den nächsten Tagen gebe ich meinen Körper erst mal Zeit, um sich von den Strapazen und dem Stress, den Marathon nun mal für ihn bedeutet, zu erholen. In meinem nächsten Beitrag berichte ich euch dann, wie mein Training nach dem Saisonhöhepunkt aussieht und welche Ziele ich mir für dieses Jahr noch gesetzt habe.

2018-05-09T12:54:23+00:00

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