Elisabeth Niedereder – Training ohne Ziel?Seit spätestens März 2020 wissen wir: Sport macht auch Sinn ohne einen Wettkampf als Ziel zu haben 😉 Durch den Corona-Lockdown wurden viele Saisonziele „zerstört“ oder verschoben sich (voraussichtlich) auf das nächste Jahr bzw. einen späteren Zeitpunkt.
Einige meiner Athleten hatten es nicht leicht, das zu verkraften, da der Wettkampf ja auch die Belohnung für das monatelange und teilweise harte Trainingsprogramm ist.

Andere, die nur für sich und ihre Gesundheit trainieren, haben dies ganz anders gesehen und waren endlich froh, genug Zeit fürs Training, die Erholung und eine ausgewogene Ernährung zu haben.

Ich kann beide sehr gut verstehen, da ich auch schon lange nicht mehr im Leistungssport beheimatet bin, wo nur der nächste Wettkampf bzw. die nächste Bestzeit zählt und ich seit mittlerweile schon 5 Jahren das Leben eines Hobbysportlers „genieße“. Klar trainiere ich gerne und setze mir meine persönlichen Ziele, aber die sind nicht immer an einen Wettkampf gekoppelt. Es kann auch einfach mal der nächste Long Run oder eine Bergtour sein, die einen motiviert, mehr zu trainieren oder härter zu trainieren. Dank modernster Technologien wie Uhren, Apps uvm. hat man ja auch so genug Ansporn und kann seine Leistungsentwicklung sehr gut verfolgen.

Elisabeth Niedereder – Training ohne Ziel?Sich selbst nur durch Wettkämpfe oder Bestleistungen zu definieren ist sicher nicht die gesündeste Form der Selbstbestätigung oder Selbstverwirklichung. Ich erlebe immer wieder, dass viele Sportler daran kaputt gehen – entweder psychisch oder physisch. Und auch mir ging es jahrelang so, denn für einen Sportler dreht sich eben alles nur um diese Form der Leistungsbestätigung. Aber glaubt mir: ihr seid genauso wertvolle Menschen, wenn ihr nicht schneller lauft, radelt oder schwimmt, denn es geht am Ende des Tages nicht darum. Ein Bekannter hat einmal vor einem großen Wettkampf, vor dem ich sehr nervös war und an mir gezweifelt habe, gesagt: „Was ändert sich, ob du gewinnst oder verlierst? Die Menschen, die dir wichtig sind, mögen dich so oder so und das Leben geht weiter.“ Ich war damals erst 16 und habe vielleicht den tieferen Sinn noch nicht ganz verstanden, aber seine Aussage hat mich trotzdem beruhigt. Denn genau darum geht es.

Und auch wenn manche Corona-Maßnahmen fragwürdig sind bzw. waren so kann ich als Trainerin und passionierte Hobbysportlerin nur sagen, dass das Wegfallen des Wettkampfdruckes für viele Sportler auch ein Aufatmen war. Endlich müssen die Urlaube nicht mehr nach dem nächsten Ironman geplant werden, die Wochenenden können auch mal anders verbracht werden als mit langen oder intensiven Einheiten und Beziehungen bzw. die Familie rückt wieder in den Vordergrund.

Elisabeth Niedereder – Training ohne Ziel?Vor allem aber bekommt der eigentliche Sinn des Sporttreibens wieder eine größere Bedeutung, nämlich die Gesundheit bzw. die Gesunderhaltung oder Wiedererlangung dieser.

Natürlich hoffe ich, dass 2021 wieder ein „normales“ Sportjahr wird, denn viele Wettkampf- und Eventveranstalter haben es sicher im Moment nicht leicht. Aber für alle jene, die dieses Jahr in ein Motivationsloch gefallen sind, möchte ich meinen persönlichen Tipp offenbaren: macht das, was euch Spaß macht oder versucht Spaß daran zu finden! Denn nur, wenn euch etwas Spaß macht, macht ihr es ein Leben lang. Das gilt für den Beruf genauso wie für den Sport, die Freizeit usw. Natürlich macht nicht immer jede einzelne Sekunde Spaß (vor allem im Beruf 😉), aber der Grundgedanke sollte dieser sein, denn dann fällt euch auch das Sporttreiben leichter! Ein individueller Trainingsplan kann natürlich die Motivation auch ungemein erhöhen – mit oder ohne Wettkampf 😉

Elisabeth Niedereder

Elisabeth Niedereder

…als Sportwissenschaftlerin, 26fache Staatsmeisterin und Inhaberin von Tristyle gibt sie ihre Erfahrungen und ihr Wissen immer wieder gerne in Form von informativen Blogartikeln weiter. Ihre Themengebiete umfassen unter anderem Laufen, Triathlon, Leistungsdiagnostik, Trainingsplanung, Personal Coaching uvm.