Warum (auch) Marathonläufer von Bergläufen profitieren

Von |2018-08-01T10:58:17+00:002018/07/09|

Berglauf Stefanie GeringerWir Marathonis haben üblicherweise zwei große Ziele in unserem (Lauf-)Jahr: Den Marathon im Frühling und den Marathon im Herbst. In den Wochen vorher laufen wir immer größere Umfänge, die Läufe dauern länger und am Ende feilen wir noch ein wenig am Tempo, damit wir die angestrebte Pace durchziehen können. Und das restliche Jahr über? Im Winter legen wir insbesondere die Grundlagen für die ganze Saison, doch gerade im Sommer bietet es sich meiner Meinung an, mal den Fokus vom Marathon wegzubringen, sich auf etwas Anderes zu konzentrieren und was Neues auszuprobieren.

Dieses Jahr habe ich mich dazu entschlossen, mich an meinem ersten Lauf in den Bergen zu versuchen. Dafür gibt es insbesondere zwei Gründe:

Andere Trainingsreize durch Abwechslung und Neuland betreten

Erstens: Als Wienerin bin ich es gewohnt, viele Kilometer auf Asphalt und auf ebener Strecke abzuspulen. Durch mein Training für Berg-/Traillauf geht es abwechselnd bergauf und bergab, und das auf Beton, Pflastersteinen, Forststraßen und auch den klassischen, verwurzelten Wanderwegen. Durch die ständigen Änderungen werden die Strukturen meines Körpers wesentlich stärker gefordert und die laufspezifische Kraft und Stabilität aufgebaut, und das – eben weil sich der Körper hierbei genau so anpasst, wie er es fürs Laufen braucht – nochmals effektiver als durch mein übliches Kraft-/Stabitraining. Vor allem sind es auch vollkommen andere Trainingsreize, weil ich bislang nur sehr eingeschränkt Höhenmeter im Training hatte. Durch diese Komponenten erhoffe ich mir, über den Sommer qualitativ neue Trainingsmaßstäbe setzen zu können, von denen ich im Herbst auf der Straße profitieren kann – bei meinem Halbmarathon in Oslo im September und beim Saisonhöhepunkt, dem Frankfurt Marathon im Oktober.

Zweitens: Für mich bedeutet ein Wettkampf „über Stock und Stein“, Neuland zu betreten – und genau das macht es für mich so reizvoll. Ich liebe es, immer wieder Neues auszuprobieren, meine Grenzen auszuloten und zu beobachten, wie ich in einer ungewohnten Situation reagiere und damit umgehe. Dieses Ziel ist für mich also wieder eine Gelegenheit, unvergessliche Erinnerungen zu sammeln und auch ein Stück weit etwas über mich zu lernen und auch mich weiterentwickeln.

Fokus auf Berg- und Trailläufe

Kaum dass also der Entschluss gefasst war, den Fokus in der Zwischensaison auf Berg-/Trailläufe zu legen, habe ich mich mit Lissi abgesprochen – denn je eher Lissi Bescheid weiß, umso besser kann sie meinen Trainingsplan darauf abstimmen.

Wie hat sich also mein Trainingsalltag im Vergleich zu meinem „08/15-Plan“ verändert? Grob lässt sich sagen: Anstelle des typischen GA1-Trainingslaufs habe ich nun einen Lauf im Gelände, bei dem ich denselben Umfang laufe, aber eben nach Lust und Laune und je nachdem, was die Strecke bietet, bergauf und bergab. Auch habe ich statt der Intervalle als intensive Einheiten Läufe, bei denen ich Woche für Woche bzw von Zyklus zu Zyklus die Anzahl der durchgehend bergauf gelaufenen Kilometer erhöhe, eingebettet in lockeres Ein- und Auslaufen. Daneben gibt es die „normalen“ Regenerationsläufe, Tempoläufe etc, wobei der Umfang und die Intensität von der konkreten Trainingswoche abhängen. Gerade weil ich am Berg noch unerfahren bin und Berg-/Trailläufe doch ihre Tücken haben, weil zB durch das unebene Gelände eine höhere Verletzungsgefahr besteht und man generell Gefahr läuft, vor lauter Euphorie zu viel zu machen und Überlastungen zu riskieren, finde ich es umso wichtiger und schöner, mit Lissi eine erfahrene Coach zu haben, der ich zu 100 % vertraue, die ich jederzeit zum Rat fragen kann und die den Trainingsplan entsprechend meinen Fortschritten und meinen körperlichen Voraussetzungen zusammenstellt.

Nach ein wenig Recherche habe ich in und um Wien ein paar schöne Runden gefunden, auf denen ich meine „Höhenmeter-Einheiten“ laufe. Der „Klassiker“ ist wahrscheinlich der Lainzer Tiergarten, der unterschiedliche Böden und ein regelmäßiges Auf und Ab bietet, ebenso wie diverse Rundenlängen von 2 km bis knapp 30 km, sodass sich die Strecke immer wieder variieren lässt und verschiedene Arten von Trainings dort gelaufen werden können. Wenn man auf der anderen Seite des U4-Station Hütteldorf rausgeht, kommt man relativ einfach und rasch zu den Steinhofgründen, zum Wilhelminenberg und weiter nach Neuwaldegg bzw wieder retour; auch hier sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt. Südlich von Wien gibt es sehr schöne und besonders ruhige Laufstrecken auf den Anninger, die ich am Wochenende gerne nutze.

Nun trainiere ich schon über einen Monat zielgerichtet auf den „kurzen Silvrettarun“ und kann für mich das Fazit ziehen: Schon jetzt habe ich gewonnen. Denn ich habe durch das Training gefühlt eine neue Laufwelt entdeckt. Ich habe bis dahin Höhenmeter gemieden und nicht mal ansatzweise geahnt, wie viel Spaß mir das „Höhenmetersammeln“ machen würde! Das Gefühl, sich die Strecken „hochzuquälen“, oben angekommen oftmals einen traumhaften Ausblick genießen zu dürfen und dann mit Vollgas wieder runterzupreschen in dem Wissen, dass man sich dieses Bergablaufen erarbeitet und verdient hat: einfach unbeschreiblich. Solche Glücksgefühle, und vor allem in dieser Regelmäßigkeit, bei praktisch jeder Einheit, habe ich vorher nicht gekannt. Ich kann nur jedem raten, der sich so wie ich bislang gescheut hat: Probiert es einfach aus! Bei Tristyle seid ihr in den besten Händen und die Trainer beraten euch gerne.

Stefanie Geringer

Stefanie Geringer

…kann ihre Fähigkeiten auf langen Läufen erst so richtig ausspielen – ihre Leidenschaft ist deshalb auch der Marathonlauf. Zur Abwechslung zieht es sie auch mal in hügeliges und bergiges Gelände, beim Auf und Ab holt sie sich die mentale Stärke für die Straße. Sie bloggt vor allem zu den Themen Marathontraining, Kraft- und Alternativtraining und die optimale (vegane) Ernährung für Läufer.