Aufgeben? Nicht mit mir – aber mit Köpfchen!

Von |2018-10-23T15:06:09+00:002018/10/22|

Adina Zimmermann

Es gibt Wettkämpfe, die beschäftigen einen noch Wochen, ja vielleicht sogar noch Monate später. Zumindest geht es mir mit dem diesjährigen 35. Vienna City Marathon so.
Anscheinend kann ich nicht ganz mit dem für mich schlechtesten Wettkampf abschließen. Immer wieder stelle ich mir die Frage „Hätte ich aufgeben sollen?“.

Hoch motiviert geht’s los

Am Start ging es mir damals richtig gut. Hoch motiviert hatte ich meine Pace von 5:30 und somit eine Halbmarathon Zielzeit von unter 2 Stunden vor Augen. Im Schatten stehend, war mir auch die aufkommende Hitze nicht so bewusst. Im Gegenteil! Ich freute mich einfach endlich loslaufen zu dürfen.
Der Startschuss fiel und ich rannte los. Die ersten 3 km liefen für mich an sich ganz gut. Den ersten, natürlich etwas überpacet, durch minimales herausnehmen meines Tempos aber sogleich versucht wieder auszugleichen.
Tja, und dann waren wir auf meiner nicht so sehr geliebten Prater Hauptallee. Die Sonne knallte runter. Durch das Zusammenlegen der zwei Startbahnen waren immer mehr Menschen um mich herum und ich merkte, wie es mir langsam schlechter ging. Der linke Wadenmuskel begann sich zu verkrampfen und mich überfiel ein Gefühl der körperlichen Müdigkeit. Ich verstand die Welt nicht mehr! Noch nie habe ich bereits so früh in einem Rennen kämpfen müssen.

Einbruch und Kampf um jeden Kilometer

Bei Kilometer 5 kam das erste Mal der Gedanke des Aufgebens. Noch schafften es aber mein Mann, der mich bis zu seiner Staffelübergabe begleitete, und bekannte Gesichter an der Laufstrecke, mich zu motivieren und abzulenken.
Doch das kleine Gewissen in meinem Kopf ließ sich nicht ganz ausblenden. Immer wieder hörte ich: „Jetzt kannst du auch langsamer machen! Deine Zielzeit schaffst du eh nicht mehr!“

Dann auf der Linken Wienzeile der totale Einbruch. Mit Tränen in den Augen blieb ich seitlich stehen und wollte einfach nicht mehr. Die hohen Temperaturen machten mir sehr zu schaffen und in meiner kleinen aber feinen Wettkampfkarriere von 4 Jahren, musste ich noch nie so mental gegen mich selbst und den Wunsch einfach aufzugeben, ankämpfen. Ich weiß noch genau wie mein Mann mich in diesem Moment in den Arm genommen hat und mir zuflüsterte, dass es überhaupt kein Problem sei und er trotzdem verdammt stolz auf mich ist. Wir einigten uns dann darauf noch bis zu seiner Übergabe, d.h. bis zu Kilometer 16 (ich gemütlich, er dann doch etwas schneller, damit sein Teampartner nicht ganz so lange auf ihn warten muss), zu laufen und dann das Rennen abzubrechen.

Von Wasserstelle zu Wasserstelle, teilweise gehend, kämpfte ich mich also voran. Immer näher zum selbstgesteckten Ziel kommend, packte mich dann doch der Ehrgeiz: „Wenn ich schon so weit gekommen bin, schaffe ich die letzten 5 km auch noch!“
Abschreckend waren nur die Läufer, die sich rechts und links an der Strecke häuften. Teilweise bereits unter ärztlicher Betreuung.
„Soll ich doch lieber aufgeben?“
Mit der für mich super langsamen Pace von 6:36 kam ich einigermaßen voran und durch meinen neu gewonnen Ehrgeiz und das Wissen, dass es ab Kilometer 18 nur mehr bergab geht, winkte ich also meinem Mann zu, er solle wieder zurück auf die Strecke und rannte weiter bis ins Ziel.
Im Nachhinein betrachtet weiß ich, dass ich für dieses Rennen einfach schlecht vorbereitet war. Meine Nährwert Speicher waren nicht optimal aufgefüllt und auch mein selbstgebastelter Trainingsplan war alles andere als perfekt.

Adina ZimmermannBlick nach vorne

Trotzdem bin ich heil froh, dass ich nicht aufgegeben habe. Denn jetzt weiß ich, wie weit ich meinen Körper puschen kann und dass ich auch noch etwas mentales Training leisten muss.
Viele Wettkämpfe werden eben doch im Kopf entschieden.

Um im nächsten Jahr wieder etwas mehr Gas geben zu können und vielleicht auch meinen ersten Marathon zu bestreiten, gehe ich das Ganze dieses Mal mit mehr Köpfchen an.
Als erstes werde ich einen Laktattest bei Tristyle machen und mich dann von Elisabeth beraten lassen was meine nächsten Trainingsschritte sein sollten.

P.S. Bei Kilometer 20 wurde von mir zudem auch noch mein schönstes Lauf Foto geschossen.

Adina Zimmermann

Adina Zimmermann

…ambitionierte Hobbyläuferin immer wieder auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Seit kurzem auch im Trail Bereich aktiv und eher auf den längeren Distanzen zu Hause. In ihren Blogs berichtet Sie von ihrem Trainingsalltag und ihren Wettkämpfen.