Chicago Marathon – I did it!

Von |2018-10-15T21:42:04+00:002018/10/15|

Jochen Gold, Chicago Marathon 2018

Wenn einer eine Reise macht, dann hat er viel zu erzählen und besonders dann, wenn es der erste Marathon außerhalb des europäischen Kontinents ist. Ich war schon letztes Jahr in Berlin und davor auch in Paris, aber so weit weg von zu Hause bin ich noch nie einen Wettkampf gelaufen.

Damit wir die Renntaktik perfekt abstimmen können, habe ich bei Lissi (aka Elisabeth Niedereder) noch vier Wochen vor dem Rennen einen Laktattest gemacht. Nur so ist es wirklich möglich die richtige Pace für den Wettkampf zu finden und die letzten Wochen noch optimal zu nutzen. Für mich war der Chicago Marathon auch mein Saisonabschluß und somit wollte ich selbstverständlich alles richtig machen.

Sub 3:40 im Visier

Die Trainings der letzten Wochen wurden genau auf den Plan Sub 3:40 abgestimmt und noch mit ein paar Tempo-Einheiten zum Feintuning garniert. Ich habe diese Läufe wirklich sehr genosssen und auch die Tatsache, dass wir das gesamte Training wirklich sehr lauflastig ausgelegt  und die beiden anderen Disziplinen meines normalen Triathleten-Trainingsalltags etwas zurückgestellt haben. Ich fühlte mich bereit und mit diesem tollen Gefühl stieg ich auch in den Flieger nach Amerika.

Vorhersehbare und unvorhersehbare Herausforderungen

Kopfzerbrechen machte mir natürlich die Zeitumstellung und wie schnell ich mich daran gewöhnen kann. Ich bin ja zu 99% früh morgens unterwegs und Läufe um die Mittagszeit sind nicht so meine Spezialität. Der Start in Chicago war um 7:30 Ortszeit, also schon 14:30 unserer Zeit in Wien. Ich habe den ersten Abend (Donnerstag) so lange wie möglich in die Länge gezogen, um die amerikanische Nacht möglichst schnell zu verinnerlichen.

Herausforderung Nummer zwei war das Wetter. Am Donnerstag schien bei der Landung noch die Sonne, nur das sollte auch das erste und letzte Mal sein. Angesagt waren 13 Grad Höchsttemperatur und Regen, viel Regen. Nicht gerade optimale Bedingungen, aber für mich jetzt nicht das größte Problem. Ich hatte genug Gewand zur Auswahl mit und war für so ziemlich jedes Szenario gerüstet.

Die Abholung der Startnummer und alle anderen logistischen Dingen funktionierten perfekt und am Vorabend ging es nur mehr darum die Taktik bei der Versorgung herauszuarbeiten. Lissi predigt immer und immer wieder früh genug Energie nachzuschieben und ja nicht zu warten, bis der Magen knurrt. Also saß ich da vor meinem iPad, studierte die Strecke und die Verpflegungsstationen und arbeitet ein Möglichkeit heraus, möglichst regelmäßig und zeitgerecht meine Peeroton-Gels einzunehmen. Der beste Weg war bei jeder zweiten Verpflegungsstation ein Gel zu nehmen, so sollte ich auf ca. 80-90g Kohlenhydrate pro Stunde kommen und das letzte Gel 7 Kilometer vor dem Ziel als letzten Boost haben.

Da bemerkte ich auch das erste Mal, dass auf der Strecke zwar jede Meile markiert war, aber nur jeder 5. Kilometer. Ein Fakt den ich bis dato noch gar nicht bedacht hatte, der mich aber natürlich vor eine neue Herausforderung stellte. In diversen Kommentaren las ich auch von den Schwierigkeiten der GPS Uhren zwischen den Hochhäusern und somit gab’s nur eine Lösung. Ich schrieb mir mit Kugelschreiber die jeweiligen Durchgangszeit bei 5, 10, 15, etc. Kilometer auf (verkehrt natürlich, damit ich während des Laufens auch alles lesen kann) und hatte so meine Referenzzeiten analog eingespeichert.

Regen – unser treuer Begleiter

Jochen Gold, Chicago Marathon 2018Am Morgen des Laufes schüttete es wirklich wie angesagt. Kurz vor dem Start hörte der Regen auf und bot uns ein wundervolles Szenario am Anfang der langen Reise, doch schon bald fing es wieder an. Von Kilometer 3 bis ca. 25 schüttete es wie aus Eimern und so rein gar nichts an mir war noch trocken. Einziger Lichtblick war, dass ich nach den ersten 5km einen ca. 45 sekündigen Vorsprung auf meinen Plan hatte und somit einen guten Polster. Bei Kilometer 10 waren es noch 30 und bei 15 auch noch wunderbare 20 Sekunden.

Den Halbmarathon beendete ich quasi innerhalb der geplanten Zeit, spürte aber schon deutlich die Belastung der ersten 21km. Bei Kilometer 25 kamen die ersten wirklich Probleme und meine Beine wurden immer schwerer. Leider half da auch kein Gel mehr und auch nicht die Mengen an Energy-Drinks die ich in mich hineinschüttete. Scheinbar war mein Motor leer und konnte durch nichts mehr zum Laufen gebracht werden. Im Nachhinein denke ich, dass ich die ersten 5-10km zu schnell angegangen bin. Lissi hat mir schon bei der Auswertung des Laktattest vorausgesagt, dass es für mich bei 5:00 pro km eng werden wird und ich schauen soll, möglichst weit weg von dieser Schwelle zu bleiben. Da aber weder Uhr noch Markierung Anhaltungspunkte für mein Tempo gegeben haben, lief ich für meine Verhältnisse viel zu schnell und verbrauchte wichtige Körner schon ganz am Anfang.

Nach der Saison ist vor der Saison!

Jochen Gold, Chicago Marathon 2018Natürlich kam ich noch ins Ziel, denn die Medaille wollte ich ja unbedingt und es wurden 4:04 Gesamtzeit. Somit lief ich heuer nur den Wien Marathon bei hochsommerlichen Temperaturen unter vier Stunden. Nun gut, was nicht sein soll, soll halt nicht sein. Abgesehen davon war es ein wunderbares Erlebnis und ist wirklich zu empfehlen, Chicago ist definitiv eine Reise wert. Sportlich habe ich für mich mitgenommen, gemeinsam mit Lissi über den Winter an genau diesen Themen zu arbeiten und die Ziele für 2019 genau zu definieren.

Ich mach jetzt einmal Off-Season, freue mich aber gleichzeitig schon auf meinen ersten Trainingsplan Anfang November. Gemeinsam mit Lissi wird 2019 wieder ein tolles Jahr werden mit Fixpunkten wie Wien Marathon, Ironman Nizza und Wings For Life World Run. Für jeden dieser Bewerbe gibt es konkrete Wünsche meinerseits und Lissi hat nun die schöne Aufgabe, diese Wünsche in einen konkreten Trainingsplan einzuarbeiten und vor allem miteinander zu koordinieren. Danke dafür schon mal jetzt, ich bin mir sicher gemeinsam schaffen wir das.

Jochen Gold

Jochen Gold

leidenschaftlicher Vater, Ehemann, Koch, WannaBe-Triathlet, Golden-Besitzer und Hobby-Fotograf ist seit 2014 Tristyle Athlet und berichtet in seinen Blogartikeln von seinem Trainingsalltag und seinen Wettkämpfen.